Geologische Übersicht

Urzeit (Präkambrium, vor > 4,5 Milliarden – ca. 550 Millionen Jahren)

Proterozoikum

Die ältesten Gesteine im Gea Norvegica Geopark sind vor mehr als 1500 Millionen Jahren im jüngeren Präkambrium (= Proterozoikum) entstanden. Die kristallinen Gesteine wie Granite, Gneise, Amphibolite und Quartzite bilden das sogenannte Grundgebirge in Norwegen als Teil des Baltischen Schildes. Viele der Gesteine, die wir im Geopark in der Umgebung von Kragerø, Bamble, Porsgrunn oder Skien finden, lagerten ursprünglich tief unter der Erdkruste. Über Jahrmillionen hinweg wurden diese Gesteine mehrfach gefaltet und überprägt (u.a. während der Sveconorwegischen Orogenese vor 1100 – 1000 Millionen Jahren). Typisch für die Region in Kragerø-Bamble sind hydrothermal-metasomatische Gesteine, die durch den Aufstieg von heiβen Magmen entstanden sind. Heute werden aus den kristallinen Gesteinen in Südnorwegen kommerzielle Rohstoffe gewonnen wie z.B. Kies, Quarz, Eisenerz und Minerale wie z.B. Nickel, Blei, Zink, Kupfer und Apatit.
Im späten Präkambrium (vor ca. 580 Millionen Jahren) kam es zu starker vulkanischer Aktivität in der Region von Nome im norwestlichen Geopark. Bei Ulefoss in der Region Nome findet man den Fen-Karbonatit-Komplex als weltweit bekannte Typuslokalität für karbonatischen Vulkanismus.

Erdaltertum (Paläozoikum, vor ca. 550 Millionen – 225 Millionen Jahren)

Kambrium, Ordoviz und Silur

Vor ca. 540 Millionen Jahren war der Baltische Schild Teil einer stark erodierten Landschaft, die in der Nähe des Äquators lag. Meereswasser breitete sich über dem präkambrischen Grundgebirge aus und es wimmelte von Leben in dem tropischen Meer. Primitive Kopffüβer (Cephalopoden, u.a. Vorläufer der heutigen Tintenfische), Graptolithen und Trilobiten tummelten sich gemeinsam mit Brachiopoden, Seelilien, Korallen und Bryozoen. Viele dieser Lebewesen waren mit Kalkschalen ausgestattet und am Meeresboden lagerten sich überwiegend mächtige Kalksteinschichten abwechselnd mit Sand- und Tonsteinlagen ab. Heute finden wir die kalkigen Reste der Jahrmillionen alten Lebewesen als Fossilien in den markanten Gesteinsklippen bei Rognstranda, an der Steilküste des Frierfjords (Frier-Wanderweg) und auf der östlichen Seite von Porsgrunn-Ælva und Skien. In Brevik und Porsgrunn werden die Kalksteine des ehemaligen Meeresbodens aus dem Ordoviz (vor 500 Millionen Jahren) kommerziell von der Firma Norcem abgebaut.

Im Silur/Devon und Karbon kollidierten die Kontinentalplatten in der Region mehrfach und Gebirgsketten wurden aufgeschoben. Im späten Karbon fügten sich die Kontinentalplatten zu einem Riesenkontinent zusammen: Pangäa. Dieser Superkontinent war nicht sehr stabil, so dass er direkt nach seiner Bildung bereits begann, wieder auseinander zu brechen. Die Entfernung der Plattengrenzen voneinander begann mit tektonischer und magmatischer Aktivität im Oslo-Graben zwischen dem Langesundfjord im Süden und dem Mjøsa-See im Norden. Heute finden wir die Zeugen dieses Auseinanderbrechens als Störungszonen, Verschiebungen und magmatische Gänge überall in der Region des Geoparks (z.B. Porsgrunn).

Vulkanausbrüche und Erdbeben im Perm

Geologen aus aller Welt kennen die weltbekannte Oslo-Riftzone mitsamt ihrer Geologie. Die ausgedehnten Störungszonen entwickelten sich im Laufe des Perm zu Vulkanen, sowohl als Spalten- als auch groβe Zentralvulkane mit nur einem Schlot. Die Vulkane blieben über 40 Millionen Jahre bis zum Ende des Perms aktiv. Die ausströmende Lava verfestigte sich zu Basalten und Rhombenporphyren mit groβen Feldspatkristallen. Tief unten in der Erdkruste verfestigte sich flüssiges Magma zu Syeniten, Larvikiten und an manchen Stellen auch zu grobkörnigem Pegmatit (Region von Siljan, Larvik).
Die Vulkanausbrüche wurden begleitet von heftigen Erdbeben und Tremor (=schwaches Hintergrundbeben). Sogar das Gebiet auβerhalb der Riftzone wurde dadurch beeinträchtigt. Insbesondere Magmen-Intrusionen breiteten sich aus und viele seltene Minerale konnten sich in den Hohlräumen aus heiβen Lösungen bilden. Das Gebiet des Langesundfjords ist daher auch bekannt für eine groβe Bandbreite von Mineralien, die unter anderem in den Pegmatitgängen entstanden sind (Porsgrunn-Løvøya). Einige dieser Mineralien wurden weltweit erstmals hier entdeckt, so z.B. das radioaktive Thorium-Mineral Thorit.

Erdneuzeit (Känozoikum 65 Millionen Jahre – heute)

Eiszeiten im Quartär

Zum Ende des Perms endete die tektonisch aktive Phase in der Oslo-Riftzone. Danach erreichte Norwegen für lange Zeit eine relativ ruhige geologische Periode. Bis zu Beginn des Quartärs, das vor 2,6 Millionen Jahren begann, finden sich im Geopark keinerlei Zeugen mehr für geologische Aktivität. Das Klima änderte sich im Quartär weltweit dramatisch und mächtige Gletscher bedeckten Norwegen in mehr als 40 Eiszeiten immer wieder. Die Eiszeiten wurden zeitweilig unterbrochen von mehreren warmen Phasen, den sogenannten Interglazialen. Die letzte groβe und bekannteste Eiszeit ist die Weichsel-Kaltzeit, die vor 117.000 Jahren begann und zu deren Ende die groβe Eisdecke Norwegens begann zu schmelzen.

Die heutige Landschaft im Geopark wurde wesentlich geformt durch die eiszeitlichen Gletscher und auch der Boden, auf dem hier Ackerbau betrieben wird, ist in den Eiszeiten entstanden. Die abgerundeten Felsen an der Schärenküste, die Sand- und Siltlagen, die Flussablagerungen in den Fluβtälern von Lågen (Lardal), Skien und Siljan sind Überbleibsel aus den Zeiten der Eisbedeckung. Nicht zuletzt finden wir im Geopark die Rå-Moräne, eine ausgedehnte Endmoräne aus der Weichsel-Eiszeit, die ganz Skandinavien umgibt. Die Insel Jomfruland und der Strand von Mølen bestehen aus Rå-Moränensedimenten, die in einer kälteren Phase wieder im Eis einfroren. Nach einer Warmphase wurde es vor 12.800 Jahren wieder kalt in der Region, die Eisdecke wuchs an und lagerte insgesamt über 300 Jahre lang im Geopark (von 12.650 bis 12.350 Jahren vor heute). Das Land wurde niedergedrückt durch das enorme Gewicht des Eises, so daβ der offene Arktische Ozean direkt vor dem Eisrand lag. Die im Eis mittransportierten Steine, Sande, Silt und Ton lagerten sich vor den Gletscherrändern am Meeresboden ab. Als das Klima wieder milder wurde zog sich auch das Eis zurück und ein mächtiger Sedimentwall von Geröll, Sand und Ton blieb am Meeresboden zurück. Das Gewicht des Eises nahm ab und das Land begann sich zu heben. Skandinavien hat sich seitdem um gute 300 m empor gehoben - dieser Prozess dauert auch heute noch an! Der Sedimentwall erreichte durch die Hebung langsam den Meeresspiegel und das Sediment wurde durch die Wellen sortiert. Heute können wir aus dieser Zeit die gut sortierten Geröllstrände von Jomfruland und Mølen bewundern.

Der Besucher findet im Geopark die einmalige Möglichkeit, an vielen Orten diese lange geologische Geschichte zu verfolgen. Für die Zukunft wollen wir hier die Zeugen aus längst vergangenen Zeiten nachhaltig schützen und sie für Besucher jederzeit zugänglich machen. Besuchen Sie uns! → Geo-Ziele

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